Kredit-Magazin News vom 16.12.2008
Europäische Notenbank prüft Senkung des Zinssatzes für Einlagen
Nach Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), könnte die EZB womöglich binnen kurzem den Zinssatz für Bankeinlagen senken, um den Geldmarkt wieder zum Laufen zu bekommen. "Das ist eine Idee, die derzeit geprüft wird", so Trichet auf einer Veranstaltung des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Nachdem die Notenbank Anfang Oktober den aus Spitzenrefinanzierungs- und Einlagefazilität bestehenden so genannten Zinskorridor um ihren Leitzins von 200 auf lediglich 100 Basispunkte verdichtete, wurde das Parken von Geld bei der EZB für die Kredit Banken relativ einträglich.
Die Beträge, die Banken bei der EZB eingelagert haben, lagen Anfang November bei bis zu 300 Mrd. Euro, Anfang dieser Woche waren es noch rund 180 Mrd. Euro. Normalerweise wird dieses Zwischenparken von Geld durch die Kredit Institute nur in Ausnahmefällen vorgenommen, da diese von den anderen Banken für Kredite eine höhere Verzinsung erhalten. Das durch die Finanzkrise gewachsene gegenseitige Misstrauen unter den Instituten hat diesen Ablauf massiv durcheinandergebracht.
Trichet erklärte zwar, vorsichtige Anzeichen für eine Entspannung an den Geldmärkten zu sehen, jedoch seien die Risikoaufschläge für den Geldhandel unter den Banken im Vergleich zum Notenbank-Zins weiterhin "viel, viel, viel höher" als vor Beginn der Krise. Eine Kredit-Klemme in der Eurozone sieht Trichet indessen nicht.
Er forderte dagegen auch in der Krise die Befolgung der europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt-Kriterien. "Eine zu großzügige Kreditaufnahme der Staaten kann zu einer Verunsicherung der Bürger führen, die dann entsprechend mehr sparen", sagte Trichet. Die Wirkung würde damit ersetzt. bor
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