Kredit-Magazin News vom 18.03.2011
Familienunternehmen akzeptieren für Unabhängigkeit höhere Kredit-Zinsen
Unternehmen, die als Familienbetrieb geführt werden und wenigstens zur Hälfte einer Familie gehören, greifen bei langfristigen Investitionen häufiger auf kurzfristige Kredite zurück als dies Nicht-Familienfirmen machen. Hintergrund ist eine größere Flexibilität, zudem können die Familienunternehmen damit einer zu deutlichen Abhängigkeit von externen Geldgebern entgehen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), für die 1.417 Familienunternehmen und 1.195 Nicht-Familienunternehmen bezüglich ihres Finanzierungsverhaltens gegenübergestellt wurden.
Demnach nehmen die Firmen in Familienhand billigend in Kauf, dass für kurzfristige Darlehen höhere Kreditzinsen fällig werden, wenn damit ihre Unabhängigkeit gewahrt bleibt. Insgesamt nehmen rund 30 Prozent dieser Unternehmen Dispositionskredite in Anspruch, wenn es um die Finanzierung von Investitionen geht. Bei Nicht-Familienunternehmen sind es lediglich 19 Prozent. Geht es um Innovationsfinanzierung, nutzen rund 24 Prozent der Familienbetriebe und nur 14 Prozent der anderen Firmen kurzfristige Kredite.
Gerade größere Familienunternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten mit kurzfristigen Krediten können zudem häufig mit einer besseren Kreditwürdigkeit aufwarten als vergleichbare Nicht-Familienunternehmen. Ihnen stünden also durchaus andere Möglichkeiten der Finanzierung zur Verfügung. Diese werden laut dem ZEW jedoch nicht genutzt, um unabhängiger von externen Kapitalgebern zu bleiben. So erklärten in der Umfrage vor allem größere Familienunternehmen, wenn die Gefahr bestünde zu abhängig von einem Kreditgeber zu werden, keine weitere Kredit-Aufnahme bei diesem zu planen. bor
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